Hermann Bartels (1928 - 1989)

Das Oeuvre von Hermann Bartels, der nie an einer Kunstakademie war sondern lediglich privaten Kunstunterricht besuchte, weist eine grosse Spannweite auf. Die Werkentwicklung zieht sich von Fleckenbildern, über monochrome Arbeiten, die im Umfeld der ZERO anzusiedeln sind, bis hin zu Streifenüberspannungen und Winkelmontagen. Ganz im Interesse vieler Künstler seiner Zeit spielt die Farbe und deren Materialisierung durchgängig eine zentrale Rolle. Die Umsetzung dessen reicht vom pastosen Auftrag grosser Farbmassen bis hin zu variablen Kombinationen farbiger Bildträger.

Ende der 50er Jahre, beeinflusst durch das französische Informel, isoliert Bartels den Fleck aus seinen Bildern und macht ihn zur Urform, die aus einem einzigen grossen Fleck besteht. Die pastos aufgetragene Farbmasse, bei der die Monochromie immer häufiger eine zentrale Rolle einnimmt, bearbeitet er zudem mit einem Spachtel. Typischerweise verteilt er auf einer hochformatigen Leinwand die Harzfarbmasse von links nach rechts wodurch an den seitlichen Rändern gratartige, vertikal verlaufende Strukturen entstehen und der nach oben und unten offene Raum dazwischen glatt wird.

In der 7. Abendausstellung der ZERO-Gruppe in Otto Pienes damaligem Atelier ist Bartels mit einem Werk, einer informellen Arbeit mit dem Titel No. 92, vertreten. Zudem schreibt er einen kurzen Beitrag im gleichzeitig erschienen Heft ZERO 1.

1959/60 entstehen zunehmend seine monochromen Spachtelbilder, meist in schwarz oder weiss. Häufig dienen ihm dabei seine informellen Arbeiten als Malgrund. Schliesslich zieht er 1960 nach Düsseldorf um der Gruppe um Heinz Mack, Günter Uecker und Piene näher zu sein. Mehrmals ist er in wichtigen ZERO Ausstellungen vertreten. 

Doch bereits 1967 lässt Bartels die Monochromie hinter sich und wendet sich seinen Parallel-Montagen zu. Nach eigenen Angaben ist es von den plastisch eingegrenzten Spachtelflächen zu den mehrphasig angelegten Farbstreifenbildern, bei denen er Tonabstufungen oder Simultan-Kontraste & Ergänzungen anwendet, nicht mehr weit. Ab der zweiten Hälfte der 70er Jahre wandte sich Bartels wieder vermehrt der Malerei zu und schaffte sein combines und Ende gegen Ende der 80er Jahre die complexes.

 

 

1928 Geboren in Riesenburg, Westpreussen

 

1946 - 1948 Ausbildung zum Drechsler, danach Buchhandelslehre

 

Privater Kunstunterricht beim spätimpressionistischen Maler Kurt Bernecker & Kurse an der Kunstakademie Hamburg bei Kurt Kanz

 

1952 Umzug nach Frankfurt am Main


1955 - 1956 Weissgrundige Fleckenbilder


1958 Begegnung mit Arnulf Rainer

 

Kurzer Textbeitrag im Heft ZERO 1


1959 - 1963 Monochrome Spachtelbilder, meist in weiss oder schwarz

 

1960 Umzug nach Düsseldorf, Mitglied der neu gegründeten Galerie dato

 

1961 Reise in die Niederlande, Kontakt zur Gruppe nul

 

1963 – 1965 "Farbstreifen"

 

ab 1967 "Parallel-Montagen"

 

ab 1974 "Winkelmontagen"

 

ab 1977 "Freiwinklige Combines"

 

ab 1986 "Complexes"

 

1989 Gestorben in Düsseldorf

 

1955 Vertreten durch die Zimmergalerie Franck, Frankfurt a.M.

1957 Galerie l’Entracte, Lausanne

1958 Gemeinschaftsausstellung mit Lothar Quinte, Galerie St. Stephan, Wien 

 

           Teilnahme an der 7. Abendausstellung im Düsseldorfer Atelier von Otto Piene

 

1960 Gruppenausstellung, Monochrome Malerei, Museum Morsbroich, Leverkusen

 

1961 dato-Galerie, Frankfurt a.M.

 

1966 Gruppenausstellung Weiss auf Weiss, Kunsthalle Bern

 

1972 Halfmannshof, Gelsenkirchen

 

1994 Galerie Schoeller, Düsseldorf

 

2003 Märkische Museum, Witten/Ruhr

 

2010 Hermann Bartels – Malerei zwischen Fläche und Raum, Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt

 

2017 Le socle du monde Biennale, Herning Museum of Contemporary Art, Dänemark