Jef Verheyen (1932 - 1984)

Nuancierte und geradezu irisierende Farbverläufe sind kennzeichnend für die Bilder des flämischen Künstlers Jef Verheyen. Genaues Schauen und eine fast meditative innere Ruhe sind für den Betrachter nötig, um den Malereien Verheyens in ihrer ganzen Tiefe zu begegnen. 

Der „peintre flamant“, der zu Beginn der 1950er Jahre an der Königlichen Akademie Antwerpen eine klassische Malerausbildung absolviert hat, hinterließ nur ein vergleichsweise schmales Oeuvre; er selbst nannte seine Gemälde "panchromatische Werke", die alle Farben umfassen. 

Sein Malstil löscht jede Materialität von Farbe und Pinsel nahezu vollkommen aus. Die subtilen Kunstwerke sind umso eindrucksvoller, da Jef Verheyen durch einen angeborenen Augenfehler nur über eine geringe Sehkraft verfügte.

Die stetige Suche nach metaphysischen Erkenntnissen ist gleichsam das Programm der in unzähligen, lasierenden Farbschichten entstanden Gemälde des Ausnahmekünstlers. Sie tragen Titel wie „Sonne“ oder „Flämische Landschaft“. Licht und Farbe als Mittel der Wahrnehmung,  eine körperliche wie geistige Seherfahrung sind die zentralen Elemente seiner Kunst. Stetig experimentierend nähert sich Verheyen den sehr ähnlichen Ideen der „ZERO-Gruppe" an, die mit den Künstlern Heinz Mack, Otto Piene und später Günther Uecker, u.a. im Rheinland aktiv ist.

In den späten 50er Jahren lernte Verheyen Lucio Fontana, Piero Manzoni und Günther Uecker kennen. Er knüpfte Briefkontakt zu Yves Klein und wurde zu einem wichtigen Bindeglied der „ZERO-Gruppe“. Es war diese beachtenswerte Nachkriegsbewegung, mit der sich Verheyen künstlerisch identifizierte. Dies führte zu bedeutenden gemeinsamen internationalen Ausstellungen und auch zu gemeinschaftlichen Kunstwerken (z.B. mit Lucio Fontana, Hermann Goepfert oder Englebert van Anderlecht). Der rege Austausch mit seinen Künstlerkollegen war für Verheyen stets eine wichtige Inspirationsquelle und Anregung für sein Schaffen.

Lucio Fontana sprach  - obwohl selbst deutlich älter als sein flämischer Freund - von Verheyen als „seinem Vater“. Er schätzte neben dessen Kunst insbesondere die intellektuelle und philosophische Art, mit der der Belgier nicht nur sein eigenes Schaffen in Worte zu fassen wusste.

1932 geboren in Itegem, Belgien

1946 - 1952 Studium an der Royal Academy of Fine Arts, Antwerpen

1956 Erste monochrome schwarze Arbeiten entstehen in Auseinandersetzung mit  Paul Klee

1957 Verheyen tritt in der Mailänder Galerie Pater in Kontakt mit seinen späteren  Freunden und Künstlerkollegen Lucio Fontana und Robert Crippa

1958 Anerkennung seines ersten Manifests Essentialism in Lausanne für die  Publikation in art actuel international (Heft 1959 -13)

1959 Verheyen trifft Günter Uecker

1962 Intensive Ausstellungsphase  mit der ZERO Bewegung 

Es entstehen zwei Gemeinschaftsarbeiten mit Lucio Fontana 

 

1974 Umzug in die Provence mit seiner Frau Dani Francq, seiner Tochter und seinen zwei Söhnen

1984 gestorben in Apt (Vaucluse, F)

1958 Beteiligung an der Ausstellung der avantgardistischen Künstlergruppe G58  im Antwerpener Hessenhuis 

1960 Beteiligung an der Ausstellung Monochrome Malerei im Städtisches Museum Leverkusen,

Schloss Morsbroich Kollaboration mit Engelbert Van Anderlecht, in der unter dem Titel Ni l’un ni l’autre eine Serie von zehn Arbeiten entsteht

1961 Beteiligung an der Ausstellung Ad Reinhardt, Francesco Lo Savio, Jef Verheyen im Städtisches Museum Leverkusen, Schloss Morsbroich

1962 Beteiligung an der Ausstellung nul im Stedelijk Museum, Amsterdam. 

Beteiligung an der Ausstellung ZERO in der Galerie Ad Libitum, Antwerpen. 

1965 Beteiligung an der Ausstellung Zero Avantgarde in der Galleria del Cavallino, Venedig / Galleria II Punto, Turin und im Atelier Fontana, Mailand

1966 Einzelausstellung im Palais des Beaux-Arts, Brüssel

1967 Einzelausstellung Lichtkathedralen in der Galerie Carrefour, Brüssel

1967 Open Air Ausstellung Vlaamse Landschappen zusammen mit Uecker in t’ Kasteelke, Mullem 

1970 Einzelausstellung Panchromies in der Galerie Iris Clert, Paris Einzelausstellung Sonnenbogen in der Galerie Bernard, Solothurn

 

1975 Einzelausstellung Lux est Lex in der Abbaye Saint-Michel de Frigolet,  Tarascon / Galerie Media, Neuchâtel

1979 Beteiligung an der Ausstellung ZERO. Bildvorstellungen einer europäischen Avantgarde 1958-1964 im Kunsthause Zürich

 

1987 Gruppenausstellung Goepfert und ZERO – ZERO und Goepfert im Frankfurter Kunstverein, Frankfurt am Main

1988 Gruppenausstellung Zero, Vision und Bewegung, Werke aus der Sammlung Lenz Schönberg in der Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 

1994 Einzelausstellung Retrospectieve Jef Verheyen, 1932 – 1984 im PMMK  Museum für Moderne Kunst, Ostend / Josef Albers Museum Quadrat Bottrop

1997 Einzelausstellung Jef Verheyen in der Galerie Schoeller, Düsseldorf

2004 Einzelausstellung Lux est Lex in der Galerie Axel Vervoordt Kanaal Antwerpen

2010 Ausstellung Jef Verheyen. “Le Peintre Flamant“ und Freunde in der Langen Foundation, Neuss 

2014 Einzelausstellung, Jef Verheyen. Color, Light & Vision. Werke der 50er und 60er Jahre,  Galerie Dierking am Paradeplatz, Zürich/Köln

 

2016 Dialogue with Light - Jef Verheyen - Walter Leblanc, Museé d’Ixelles, Brüssel

 

2017 Le socle du monde Biennale, Herning Museum of Contemporary Art, Dänemark