Lucio Fontana (1899 - 1968)

Der italienische Avantgardekünstler Lucio Fontana war Zeit seines Schaffens immer auf der Suche nach neuen Formen der Abstraktion. Sein Interesse galt stets der Beziehung zwischen Oberfläche und räumlichen Konzepten sowie dem Material. Kaum ein Künstler des 20. Jahrhunderts hat die Malerei und auch die Skulptur so grundlegend verändert wie er.

In Argentinien als Sohn eines italienischen Bildhauers geboren, arbeitete er nach seinem Studium an der Mailänder Kunstakademie in Brera seit Mitte der dreißiger Jahre mit polychromen Skulpturen und Mosaiken. Dabei versuchte er die abstrakte Kunst in die dritte Dimension des Raums zu erweitern. Nachdem er 1940 nach Buenos Aires gezogen war, zog er 1947 kriegsbedingt nach Mailand zurück. Dort fanden die Raumexperimente ihren Höhepunkt in den Werken der Serie „Concetti Spaziali“, die Fontana zu einem der revolutionärsten Künstler der Nachkriegszeit machten. Seine Raumkonzepte sind durchdrungene, perforierte und geschnittene monochrome Leinwände in kräftigen Farben wie Rot, Blau, Gelb, Rosa. Die Löcher „buchi“ und Schlitze „tagli“ sind oft mit schwarzem Textil unterlegt, um die Malerei noch klarer in die Tiefe des Raums zu ziehen. Sie sollen so zusätzlich die kosmische und spirituelle Bedeutung seiner Kunst, die er als Pendant zu Architektur und Wissenschaft seiner Zeit sah, betonen. Die Blessuren der Leinwand wurden vom Künstler farblich bearbeitet und manchmal auch durch Licht von hinten betont .

Fontanas geschlitzte, gelöcherte Monochrome sind längst Klassiker der Kunst des 20. Jahrhunderts und begehrte Sammlerobjekte.

1899 geboren in Rosario di Santa Fé in Argentinien


 

1905 übersiedelt die Familie des Künstlers nach Mailand

ab 1914 Baugewerbeschule von Carlo Cattaneo

 

1915 – 1918 Kriegsdienst 


1918 Examen als Diplomingenieur 

 

1922 Rücksiedlung nach Argentinien, wo er zunächst im väterlichen Bildhaueratelier arbeitet

1924 Eröffnung eines eigenen Bildhauerateliers

1928 – 1930 Studium der Bildhauerei an der Accademia di Brera Bildhauerei

ab 1931 erste figurative Plastiken, Terrakottareliefs und bemalte Gipstafeln, Annäherung an die Abstraktion.

1934 schließt sich Fontana der Pariser Künstlergruppe 'Abstraction-Création' an, deren Mailänder Sektion er begründet

1935  Veröffentlichung des Manifests zur abstrakten Kunst durch die Künstlergruppe

Erste Einzelausstellung in der Galleria del Milione in Mailand


Ab 1939 Aufenthalt in Argentinien

1946 Mitbegründung der Privatakademie von Altamira, Buenos Aires

1948 Erstes Manifest des Spazialismo und Gründung die Gruppe 'Movimento spaziale'

1949 erste 'Ambiente spaziale' und erste ’Buchi’

1950er Jahren Entstehung der Serie 'Pietre'.

1958 Beginn der ersten aufgeschlitzen Leinwände ‚Concetto spaziale’

Anfang der 1960er Jahre Kombination von verschieden Bildmitteln und erste große kugelförmige Bronzeobjekte

1968 stirbt Lucio Fontana in Varese

1929 Lucio Fontana, Accademia di Brera, Mailand

 

1942 Museo Municipal de Bellas Artes, Rosario di Santa Fe

 

1961 Fontana. Keramik, Galerie Schmela, Düsseldorf

 

1969 Hommage à Fontana, Kunst- und Museumsverein, Wuppertal

 

1972 Lucio Fontana, Palais des Beaux-Arts, Brüssel

 

1976 Lucio Fontana. Concetti Spaziali, Kunsthaus Zürich

 

1977 Lucio Fontana 1899 - 1968. A Retrospective, Solomon R. Guggenheim Museum, New York

 

1988/1989 Homage to Lucio Fontana, Collezione Peggy Guggenheim, Venedig

 

1996/1997 Lucio Fontana. Retrospektive, Schirn Kunsthalle

 

1999 Triennale di Milano, Mailand

 

2006 Lucio Fontana. Venice / New York, Peggy Guggenheim Collection, Venedig &

The Solomon R. Guggenheim Museum, New York

 

2010 Lucio Fontana, Neue Galerie, Berlin

 

2014 Lucio Fontana. Rétrospective, Musée de l’Art Moderne de la Ville de Paris

 

2014/2015 Yves Klein / Lucio Fontana. Milano Parigi 1957 – 1962, Museo del Novecento, Mailand

 

2017 Lucio Fontana. En las colecciones publicas argentinas, Museo Nacional de Bellas Artes, Buenos Aires

Lucio Fontana. Ambienti / Enviroments, Pirelli Hangar Biocca, Mailand