2. Dezember 2014 bis 7. Januar 2015 , Zürich

Sehen ist fühlen mit den Augen. (Jef Verheyen) Nuancierte und geradezu irisierende Farbverläufe sind kennzeichnend für die Bilder des flämischen Künstlers Jef Verheyen (1932 – 1984). Genaues Schauen und eine fast meditative innere Ruhe sind für den Betrachter nötig, um den Malereien Verheyens in ihrer ganzen Tiefe zu begegnen. Der „peintre flamant“, der zu Beginn der 1950er Jahre an der Königlichen Akademie Antwerpen eine klassische Malerausbildung absolviert hat, hinterließ nur ein vergleichsweise schmales Oeuvre; er selbst nannte seine Gemälde panchromatische Werke, die alle Farben umfassen. Sein Malstil löscht jede Materialität von Farbe und Pinsel nahezu vollkommen aus. Die subtilen Kunstwerke sind umso eindrucksvoller, da Jef Verheyen durch einen angeborenen Augenfehler nur über eine geringe Sehkraft verfügte. Die stetige Suche nach metaphysischen Erkenntnissen ist gleichsam das Programm der in unzähligen, lasierenden Farbschichten entstanden Gemälde des Ausnahmekünstlers. Sie tragen Titel wie Sonne oder Flämische Landschaft. Licht und Farbe als Mittel der Wahrnehmung, eine körperliche wie geistige Seherfahrung sind die zentralen Elemente seiner Kunst. Stetig experimentierend nähert sich Verheyen den sehr ähnlichen Ideen der „ZERO-Gruppe" an, die mit den Künstlern Heinz Mack, Otto Piene und später Günther Uecker im Rheinland aktiv ist. In den späten 50er Jahren lernte Verheyen Lucio Fontana, Piero Manzoni und Uecker kennen. Er knüpfte Briefkontakt zu Yves Klein und wurde zu einem wichtigen Bindeglied der ZERO-Gruppe. Es war diese beachtenswerte Nachkriegsbewegung, mit der sich Verheyen künstlerisch identifizierte. Dies führte zu bedeutenden gemeinsamen internationalen Ausstellungen und auch zu gemeinschaftlichen Kunstwerken (z.B. mit Lucio Fontana, Hermann Goepfert oder Englebert van Anderlecht). Uns lag mehr an einer das Bewusstsein aktivierenden Malerei. Wir vier – Fontana, Yves Klein, Manzoni und ich – setzten ihr [Tachismus & Informel] eine kollektive Idee entgegen, die viel mit unserer Freundschaft zu tun hatte. (Verheyen, 1973) Der rege Austausch mit seinen Künstlerkollegen war für Verheyen stets eine wichtige Inspirationsquelle und Anregung für sein Schaffen: „Auch maltechnische Methoden übernahm er [Fontana] von mir. Das war ein wechselseitiges Geben und Nehmen. [...] Das war sicher kein Zufall, dass wir uns sofort so gut verstanden haben [Fontana, Manzoni, Düsseldorfer Szene]. Wir verfolgten die gleichen Ideen und haben viel über Briefe kommuniziert. Jeder von uns war überrascht, als wir erfuhren, dass am anderen Ende von Europa jemand ähnliche Ideen verfolgte und dass auch die künstlerischen Resultate Analogien aufwiesen. Lucio Fontana sprach - obwohl selbst deutlich älter als sein flämischer Freund - von Verheyen als seinem Vater. Er schätzte neben dessen Kunst insbesondere die intellektuelle und philosophische Art, mit der der Belgier nicht nur sein eigenes Schaffen in Worte zu fassen wusste. Konzentriert zeigt die Sonderausstellung Jef Verheyen. Color, Light & Vision repräsentative Werke der 50er und 60er Jahre auf Leinwand und Papier. Damit würdigt die Präsentation das bisher wenig beachtete und am Kunstmarkt kaum präsente Oeuvre dieses Malers. Die verkäuflichen Arbeiten Jef Verheyens ergänzt die Galerie Dierking mit Werken aus Privatsammlungen.

 

 

DIERKING

GALERIE AM PARADEPLATZ

BLEICHERWEG 3

8001 ZÜRICH

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F.: +41(0)44 221 07 61

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