23. März bis 27. April 2018 , Zürich

Wer die Performance Faust von Anne Imhoff im Deutschen Pavillon auf der 57. Biennale 2017 in Venedig gesehen und erlebt hat, wurde Zeuge einer unbedingten Gegenwart, deren Essenz sich dem Betrachter unmittelbar, ja, im Augenblick mitteilt. So intensiv und existentiell ist Kunst wirklich selten.

100 und mehr Jahre zuvor war es der Künstler Ernst Ludwig Kirchner, er in und mit seinen Zeichnungen, Grafiken, Gemälden und Skulpturen dieses Gefühl von unbedingter Gegenwart sichtbar werden liess. Nicht nur in den sogenannten Viertelstundenakten, die Kirchner quasi stenogrammartig auf sein Zeichenpapier notierte, sind wir Zeuge einer spontanen zeichnerischen Energiebündelung und - äusserung. Auch Kirchners dynamische, ja nervöser Pinsel -oder Bleistiftstrich, der durch alle Phasen seines Schaffens zu seinem persönlichen  gestalterischen Kennzeichen wurde, steht für seine existentielle Interpretation des Expressiven. Wir als Betrachter sehen uns teils rauschhaften, teils freizügigen, jedoch immer mit Spannung aufgeladenen Werken gegenüber. Und diese Werke sind suggestiv zu nennen.

Es ist nicht nur - aber auch - jene Sehnsucht nach Ursprünglichkeit und jene suggestive Kraft, die Ernst Ludwig Kirchner in aussereuropäischen Vorbildern stilistische Bestätigung suchen und finden liess. Neben stilistischen Verwandtschaften, die jenseits eines rituellen Kontextes bestanden, war es immer wieder die Andersartigkeit der Formen, die Kirchner an afrikanischen Figuren faszinierte und die er als Befreiung  aus den klassizistischen  Schönheitsidealen der Zeit verstand. Beispielhaft für solche Korrespondenzen flankieren in der Ausstellung  afrikanische Holzskulpturen und eine Reliquienfigur aus Metall aus dem 19. Jahrhundert als sinnliche Gegenüberstellung Kirchner Werke. Das Magische dieser Skulpturen und etliche formale Entsprechungen zeigen Kirchners Arbeiten in einem spannenden Kontext. Und nicht zuletzt ist es jene unbedingte Gegenwart, die sich dem Betrachter dieser Stammeskunst unmittelbar mitteilt, und die vermutlich auch Kirchner an der afrikanischen Kunst faszinierte.

Text: Dr. Erika Költzsch

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